Da der Pokal ja bekanntlich seine eigenen Gesetze hat, kann man hoffen, dass es heute mal nicht reihenweise Gegentreffer gibt. Wenn man es gewohnt ist, dass die Abwehr immer die Sahnehaube war, ist die aktuelle Zeit schlicht grausam. Lediglich die Ergebnisse von Hansa und Hertha sorgten für Schmerzlinderung.
Urlaub beendet und einen allseitigen Saisonauftakt miterlebt. Allseitig vor allem in Sachen Reaktionen aller möglicher Fans. Vom direkten Wiederaufstieg war schon die Rede (nach dem ersten und zweiten Spieltag), ebenso wie vom Durchgereichtwerden und keiner sichtbaren Veränderung zum letzten Jahr (nach dem dritten Spieltag). In Sachen Hin und Her sowie dem typischen lausitzer Gemeckere also alles beim Alten. Immerhin scheint den Spielern die Arbeit aber wieder Spaß zu machen. Ist ja auch schonmal was. Und eigentlich ist es doch gut zu Wissen, dass man die üblichen Fanforen nach einer Niederlage wegen akuter Weltuntergangsstimmung weiterhin nicht anschauen braucht.
Kurz vor dem Beginn der Bundesliga-Saison gibt es beim FC Energie so einige Merkwürdigkeiten. Glücklicherweise betreffen diese nicht die Mannschaft direkt, so dass zumindest sportlich alles auf Kurs ist.
Gestern fand allerdings die Wahl der “Miss Energie” statt. Solche Veranstaltungen, bei denen leichtgekleidete junge Damen ihren Körper dem Wettbewerb stellen um mit eben jenem danach irgendetwas zu repräsentieren (in diesem Fall den FC Energie, was aber eigentlich Sache der Mannschaft wäre), sind ohnehin fragwürdig. Gewonnen hat nun Laura Noske, die sich laut ihrem MeinVZ-Profil wohl eher als Fan von Werder Bremen sieht.
Handelt es sich dabei nur um eine eigentlich unbedeutende Nebensache, sieht es bei der Sponsor-Frage schon anders aus. Die ‘Bild’ will erfahren haben, dass der angolanische Diamanten-Konzern Endiama ein Kandidat ist. Dieser spielt in dem recht schmutzigen Geschäft mit den funkelnden Steinchen allerdings in seiner Heimat wohl eine nicht gerade rühmliche Rolle. Zwar keine Verschlechterung gegenüber dem Klima-Killer Vattenfall, aber eben auch keine Verbesserung.
So, das Geschehen der letzten Zeit musste erstmal verdaut werden. In Kürze zur Erinnerung: Bremen als Favoriten geschlagen, dann fünf Spiele in Folge verloren, darunter gegen Hertha, gegen die wir doch nie verlieren, dann mal wieder ein bisschen was Gutes – sprich drei Punkte zu Hause gegen Bielefeld, was dann aber darin endete, dass man zu einem lockeren Auslaufen und einer Turnhallenbesichtigung nach Gelsenkirchen fuhr (offenbar hatten nur die Schalker bemerkt, dass es sich dabei nominell um ein Punktspiel handelte).
Es war also an den Fans, das Team unter der Woche mal etwas zusammenzustauchen. Un plötzlich stand da am Sonntag plötzlich wieder eine echte Mannschaft des FC Energie auf dem Rasen: Herzblut, Härte, Pferdelunge. Sie begründete so fast schon eine kleine Tradition, nämlich jene, dass der Frühling in Cottbus damit begrüßt wird, einen Tabellenführer 2:0 zu schlagen.
Das war sie also, die Hinrunde. Typisch Energie – wilde Schwankungen zwischen Verzweiflung, sich ankündigenden Herzattacken und wunderbaren Momenten. Hier mein kurzes Fazit:
Mein Spieler der Halbserie ist Cagdas Atan. Erst seit dem Sommer dabei wirkt er stets, als sei er schon immer im tiefsten Herzen ein Rotweißer. Exemplarisch dafür sein Jubel nach dem Tor von Branco Jelic gegen den KSC: Er wirkte, als ob er gerade selbst den Sieg in der Champios League klar gemacht hätte, was offenbar sogar die Regie der Fernsehübertragung so sehr verwirrte, dass sie ihn statt des eigentlichen Torschützen mit den Kameras verfolgte.
Das schönste Tor war unzweifelhaft ebenso der Treffer von Jelic gegen den KSC: Missglückter Torschuss von Timo Rost landet bei ihm, Annahme mit der Brust, Fallrückzieher über die dichte KSC-Abwehr unter die Latte. Bisher das beste, was ich live im Stadion gesehen habe.
Insgesamt läuft eigentlich vieles so, wie man es ein bisschen erwarten konnte. Sicher sind waren die Erwartungen nach der Rückrunde der Vorsaison groß, aber es wäre ja nicht Energie, wenn irgendetwas tatsächlich so kommt, wie man es erwartet.
Was kommt? Präsident Ulrich Lepsch sagte in diesen Tagen gegenüber der ‘Lausitzer Rundschau‘: “Wir sind sehr erfahren im Abstiegskampf. Das stimmt mich insgesamt sehr zuversichtlich. Wir werden es schaffen.” Dem ist nichts hinzuzufügen. Jetzt ist es erst einmal an der Zeit, dass die Berliner Jungz Weihnachten feiern.
Der Abstieg des FC Energie scheint ja für einige schon beschlossene Sache zu sein. Allerdings möchte ich mal in Erinnerung rufen, das die Situation vor genau einem Jahr bedeutend schlechter war:
Nach dem 14. Spieltag der Saison 2007/08:
8 Punkte und 6 Punkte Rückstand auf Platz 15.
Nach dem 14. Spieltag der Saison 2008/09:
9 Punkte und 2 Punkte Rückstand auf Platz 15.
Christian Beeck hat sich gegenüber Bundesliga.de über die derzeitige Situation beim FC Energie geäußert. Ein solch sachlicher Blick auf die Geschehnisse, wie ihn der ehemalige Cottbuser Kapitän und heutige Sportdirektor des FC Union Berlin hat, würde einigen Fans durchaus guttun, auch wenn es nicht leicht fällt:
Das sind Situationen, die bei kleineren Vereinen immer wieder vorkommen. Cottbus ist nun mal ein kleiner Verein und nicht die Hochburg in der Bundesliga. Das ist kein unnormaler Zustand. Jetzt muss man mit den Mitteln, die man zur Verfügung hat, die richtigen Schlüsse ziehen.
…
Es sind erst zwölf Spieltage gespielt und die Chancen bestehen nach wie vor. Andere Mannschaften haben genau die gleichen Probleme: Sie treffen die Kiste nicht und bekommen hinten welche rein. Da steht Cottbus nicht alleine da. Dieses Spektakel und die Aufgeregtheit, die jetzt Drumherum herrschen, gehört zwar zum Geschäft dazu, aber ein bisschen Ruhe und Besonnenheit wäre mir lieber.
Wie schafft man es, trotz eines noch länger laufenden Vertrages und schlechter werdender Leistung, möglichst schnell einen Wechsel in eine besser dotierte Anstellung hinzubekommen. Igor Mitreski macht es vor: Nachdem das Team-Management klar gestellt hatte, Kritiken intern zu klären und nicht etwa über die Presse in die Welt zu posaunen, gibt man der größten deutschen Fußballzeitschrift ein Interview.
In diesem holt man einmal zum Rundumschlag gegen die sportliche Leitung aus, betont, dass man bereits Angebote aus diversen Ligen hatte bringt noch geschickt eine Summe ein, an der sich potenzielle neue Arbeitgeber orientieren können.
Das Ergebnis: Folgerichtig wurde Mitreski suspendiert, wird wohl im Winter ohne Probleme wechseln können und kann seinen Marktwert nicht mehr durch eine inzwischen weniger konstante Leistung schmälern.
“Wartet ab, wir kommen”, sicherte Urgestein Tomislav Piplica am Wochenende auf dem Brandenburgtag in Königs Wusterhausen gegenüber unserem Fanclub Berliner Jungz zu. Geteilter Optimismus also.